OFFENBACH POST || 12. MÄRZ 2019 || ERDOGAN IST NUR EINE FACETTE || VON HARALD H. RICHTER ||

OFFENBACH POST || 12. MÄRZ 2019 || ERDOGAN IST NUR EINE FACETTE || VON HARALD H. RICHTER || GANZ HERZLICHEN DANK AN DAS TEAM DER OFFENBACH POST UND HARALD H. RICHTER

Der Kunstverein zeigt bis zum 28. März 2019 im KOMM Center rund zwei Dutzend Werke des international renommierten und in Köln lebenden kurdische Zeichners Ali Zülfikar. Darunter befindet sich auch ein Erdogan-Porträt, für das er von türkischen Kreisen angefeindet wird.

Sie transportiert eine klare politische Botschaft und hebt sich heraus aus der umfangreichen Werkschau des Ali Zülfikar. Seit vergangenem Herbst, als die Porträtzeichnung, die der in Köln lebende Künstler mit dem kurdischen Wurzeln vom türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan angefertigt hat, das erste Mal öffentlich ausgestellt wurde, sorgt sie für Wirbel. "Sie ist aber nur ein winzige Facette meines Schaffens", betont Züfikar anlässlich der Eröffnung einer Schau beim Kunstverein Offenbach im KOMM -Center am Aliceplatz . Dort werden noch bis 28. März etwa zwei Dutzend meist großflächig angelegte, auf Papier und Leinwand gebrachte Bleistift-zeichnungen des 48-Jährigen gezeigt. Darunter befindet sich auch die in der türkischen Welt umstrittene. 

 

 

files/zeugma/pictures/galerien/aktuell/alizulfikar-offenbachpost.jpg

Sie zeigt Erdogan mit einer Brille. Darin spiegeln sich ein weinendes Kind- als Symbol für den Krieg – und der inhaftierte Oppositionspolitiker Selahattin Demirtas. Ehemaliger Co-Vorsitzender der Halklarin Demokratik Partisi, der bei der türkischen Präsidentschaftswahl 2014 als einer von drei Kandidaten gegen Erdogan antrat und seit über zwei Jahren in Edirne in U-Haft sitz.

In der Hand hält Erdogan ein heiliges Buch mit blutbeflecktem Fingerabdruck mit der Inschrift „Erdo Bananen Republik“. Für seine Zeichnung sieht sich Zülfikar seit Monaten Anfeindungen ausgesetzt. Bei einer Ausstellung in Linz am Rhein im November 2018 hatte es wegen seines Werkes einen Eklat gegeben, nachdem die türkische Generalkonsulin in Mainz. Sibel Müderrisoglu verlangte, das Bild des Künstlers, der seit 1997 in Deutschland lebt, wegen angeblicher Ehrverletzung des Staatschef nicht zu zeigen.

In Offenbach, wo das Bild schon etliche Tage vor der offiziellen Ausstellungseröffnung ins Licht gerückt wurde, sind Proteste bislang ausgeblieben. Zülfikar porträtiert die Gesichter von Menschen so detailliert, dass die mindeste Reaktion des Betrachters ein Staunen ist. Sein Werkzeug ist der Bleistift „mit dem ich Schicht für Sicht die Persönlichkeit von Menschen herausarbeite“. Zumeist spricht er sie bei Begegnungen im Alltag an oder im privaten Kreis und bittet darum, sie zeichnen zu dürfen. Die Bekanntschaft zum Offenbacher Tom Jung etwa setzte Zülfikar erst vor wenigen Wochen in einer Zeichnung mit dem Titel „King of the beard“

um. Auch seine acht jährige Tochter saß für ihn Modell. Im Fall des türkischen Präsidenten freilich war es nicht so. Dennoch erzählt auch diese Zeichnung eine Geschichte. Zumeinstens freilich porträtiert Zülfikar Menschen, die trotz oder gerade aufgrund ihrer Betagtheit Ruhe, Gelassenheit, Weisheit und Würde ausstrahlen. Für mich ist jedes Gesicht wie eine Landkarte. Die Aufgabe des Künstlers ist es, die Seele des Menschen sichtbar zu machen, die Mimik und den Moment einzufangen“ , erläutert er seine Beweggründe. Die Männer und Frauen blickten auf die Erfahrungen eines Daseins zurück, was sich in Falten, rissigen Strukturen der Haut und all ihren Einkerbungen äußert. Doch es sind auch Ihre Blicke- oftmals wach und ausgesprochen lebendig, bisweilen meditativ- und ihre Körperhaltungen. Die in einer harmonischen Strichführungen 

erläutert Zülfikar den Gästen der Vernissage. Das besondere an seinen Werken ist die reliefartige Wirkung, je nachdem, wie nahe man ihnen kommt. Um die großflächigen Zeichnungen zu fixieren, verwendet er eine selbst erfundene Mischung, dieKohle eigentlicht auf leinwand nicht hält. Fast alle Zeichnungen sind in Schwarz bezeichnungsweise Grau-Abstufungen entstanden. Nur beim Erdogan-Bildnis wurd davon abgewichen, um das Rot des Bluts an seinen Fingern hervorzuheben.

 

Infos im Internet
kunstverein-offenbach.de