NEUE ENTWICKLUNG // ZEICHNUNGEN

NEUE ENTWICKLUNG von Ali Zülfikar

Die Portraits des Künstlers Ali Zülfikars sind die verschiedenen Ausdruckformen, in denen er die Wirklichkeit neu erfindet, immer wieder sieht man in seinem Portrait eine persönliche Beziehung zwischen „Fotorealistischem Ausdruck“ und „Hartem Kratzen“. Es sind Portraitaufnahmen voller Kraft und Stärke, die zu 100 Prozent in Bleistift-Tönen gehalten sind. Ali Zülfikar bearbeitet die tiefen Strukturen mit einer besonderen Essenz, in denen naturelle Büttenpapiertönung eingesetzt wird. Mit diesem Gestaltungstrick lässt er die Bildeffekte rissig erscheinen. Konturen brechen auf, lassen Falten, Verletzung und Pickel entstehen. Dieser Effekt wirkt besonders realistisch bei seinen Portraits älterer Menschen: 

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ali zülfikar // the singer // 120x140 cm // 2017  // drawing on canvas

 

Ein wahres Betrachtungserlebnis! Ali Zülfikar stellt glaubhaft die Altersringe menschlichen Lebens zur Schau und demonstriert eine Ästhetik des reiferen Seins: Würdevolle Gesichter, die stolz ihre Narben und Wunden zur Schau stellen und Weisheit ausstrahlen. Alle seine Werke sind den Erfahrungen des Daseins gewidmet. Ältere Herren und Damen, die ihre Altersringe mit Erhabenheit zeigen dürfen. Das herausstechende Porträt einer alten Frau, scheint eins zu werden mit einem goldenen Vorhang, der als Hintergrund des Bildes fungiert. Gleichzeitig könnte man meinen, dass diese Fläche ein Teil ihrer Haare ist. 

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ali zülfikar // the cuban // 200x140 cm // 2016 // pencil on canvas

 

Faszinierend ist die Kreativität Ali Zülfikars, die sich ganz in der Gesichterwelt der Menschen verlieren kann. Neben den großformatigen Zeichnungen, die das Thema Alter immer wieder neu interpretieren und Lithografien ähneln, sprengt ein Bild jedoch völlig den Rahmen. Das Portrait und die gegenständliche Zeichnung. Und zwar nicht anknüpfend an Fotos, sondern mit einem großen Gefühl für die Gegenwart und einem tiefen Verständnis für die Dreidimensionalität des Raumes. 

 

files/zeugma/pictures/cologneArt/FluchDerKaribikWeb.jpgali zülfikar // piraten of the caribiean // 150x150 cm // 2015 // drawing on canvas

 

Zur umfassenden Medienflut an Bildern, die überwiegend in der Zweidimensionalität auf uns wirken mit denen wir regelrecht zugemüllt werden, stehen Zülfikars Werke geradezu im Gegensatz in ihrer räumlichen Tiefe, was in der heutigen Malerei eine ausgesprochene Seltenheit ist. Der Prozess des Lebens wird aber auch vor ihr nicht Halt machen können - ein gewagter, aber stimmiger Stilbruch.

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ali zülfikar // ein moment bitte // 120x200 cm // 2014 // drawing on canvas

 

Warum beeindrucken diese Bilder? Weil die Gesichter darauf sehr groß sind, riesig, um genau zu sein. Denn wer sah sich jemals einem 150 mal 100 Zentimeter oder 200 mal 140 Zentimeter messendem Kopf gegenüber? Zudem fällt auf, dass neben einigen Motiven junger Frauen wie „Sonja“ und „Lady Corinne“, der gealterte Mensch im Mittelpunkt steht und zwar mit allen äußeren Anzeichen. Das ist schon etwas Besonderes in einer Zeit, in der die meisten paradoxerweise darauf aus sind, alt zu werden, ohne alt zu sein und Schönheitsindustrie und Wellness-Anbieter ihnen unablässig einreden, ihr Aussehen zu einem zentralen Anliegen zu machen und sich jugendlich zu trimmen. Die Protagonisten der Ausstellung aber haben schon lange keine glatte Haut mehr.

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ali zülfikar // pause // 150x120 cm // 2015 // drawing on canvas

 

Ihre Erfahrungen, Trauer und Schmerz, Freude und Anstrengung, haben sich eingegraben. Eindrucksvolle Gesichtslandschaften tun sich auf, zerklüftete Gefilde, individuell geformt durch Anlage und Mimik, Biografie und Charakter.

Bei einigen der Protagonisten hat sicher ein arbeitsreiches Leben im Freien zu all den Runzeln beigetragen. Wie eine Indianerin wirkt etwa die Zopfflechterin. „Davud“, ein Schnurrbarträger mit gut geschnittenem Gesicht und Rollkragenpulli, geht ohne weiteres als Fischer durch, und der Protagonist von „Sunset“ (Sonnenuntergang), ein Mann mit faltigem Hals, Stoppelhaar und Bartstoppeln kommt einem gleichfalls wettergegerbt vor.

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ali zülfikar // between two souls  // 120x150 cm // 2016 // pencil on canvas

 

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Ihre Erfahrungen, Trauer und Schmerz, Freude und Anstrengung, haben sich eingegraben. Eindrucksvolle Gesichtslandschaften tun sich auf, zerklüftete Gefilde, individuell geformt durch Anlage und Mimik, Biografie und Charakter.


Bei einigen der Protagonisten hat sicher ein arbeitsreiches Leben im Freien zu all den Runzeln beigetragen. Wie eine Indianerin wirkt etwa die Zopfflechterin. „Davud“, ein Schnurrbarträger mit gut geschnittenem Gesicht und Rollkragenpulli, geht ohne weiteres als Fischer durch, und der Protagonist von „Sunset“ (Sonnenuntergang), ein Mann mit faltigem Hals, Stoppelhaar und Bartstoppeln kommt einem gleichfalls wettergegerbt vor.


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ali zülfikar // genuß  // 120x140 cm // 2015  // drawing on canvas

 

Die meisten Portraitierten werben die Sympathie des Betrachters ein. Entweder ziehen die wachen Augen an oder eine Gespanntheit der Züge, die Lebensenergie verrät. Bei „Sunset“ ist es beides der Fall. Die Antlitze der Frauen haben oft etwas Warmherziges, Mütterliches, Duldendes, wobei es schwer fällt, zu sagen, woran genau solch eine Wahrnehmung festzumachen ist. Doch auch vor „Mr. Joos“, einem gewinnend lächelnden Portraitierten mit überraschend weichen Zügen für einen Mann, bleibt man gerne stehen.

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ali zülfikar // kobane // 145x145 cm // 2014 // drawing on paper

Kennzeichen von Picassos wunderbarem Kopf ist eindeutig die prägnante Physiognomie, in der sich seine Entschlossenheit spiegelt. Aus seinen großen Augen spricht eine zupackende Neugier. Faszination erwecken durchaus auch weniger vertrauenserweckende Zeitgenossen, wie „Der Schamane“. Im Profil hat der unrasierte Greis den Mund offen stehen. Muss man sich vor ihm fürchten oder handelt es sich um einen verwilderten Menschen, der Mitgefühl verdient?

Es ist Ali Zülfikars Verdienst, dass seine Bilder solche Fragen hervorrufen. Zweifellos ist er ein großartiger Zeichner. Seine Technik, mit Bleistift nicht nur Konterfeis auf Papier, sondern auch auf Leinwand zu bannen, ist einzig, sein Interesse an den Personen mit ihren unverwechselbaren Lebenslinien unverkennbar.

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ali zülfikar // oo, no! // 120x140 cm // 2014  // drawing on canvas

Dennoch würde es zu kurz greifen, zu behaupten, er halte die Menschen fest, wie sie sind. Ebenso wenig schafft er fotorealistische Bildnisse. Er rückt sie, so wie er sie sieht, im überdimensionierten Format ganz nah an den Betrachter heran. Zusätzlich hat er als Künstler jene, die er aussuchte, um sie festzuhalten, unweigerlich auch interpretiert, Züge verstärkt, manches hervorgehoben, anderes weggelassen. Überdies zeigt er seine Bildgeschöpfe, um sie, ebenso wie um seine eigene Meisterschaft gebührend hervorzuheben, in einer außergewöhnlich intensiven Ausleuchtung.

Jede Narbe, Kerbe, Falte, jedes noch so kleine Härchen an der Nase wird erfasst. Ali Zülfikar heroisiert. Indem er die Gesichter so groß darstellt, so deutlich und stark moduliert, setzt er dem menschlichen Empfinden, der menschlichen Lebensleistung ein Denkmal – hohes Drama in jeder Hautvertiefung!



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